Friedensmärchen

Statt Action und Eskalation stehen in meinen Friedensmärchen bewusst leise Töne, ungewöhnliche und manchmal sogar poetische Lösungen im Mittelpunkt. Konflikte werden nicht durch Gewalt, sondern durch Fantasie, Klugheit oder Versöhnung gelöst. Dies soll ein Versuch sein,  Friedfertigkeit anstelle von Kampfbereitschaft und Überlegenheit als Tugend abzubilden.

Zunächst kam dabei 2006 das Märchenhörspiel „Der Poesieminister“ heraus. Weitere Märchen sind „Der Schneemann“ (erste Version: 2012) , „Hexenjagd und Süßgebäck“ (2013) und „Der General“ (2025).

Musik der Friedensmärchen

In den Friedensmärchen spielt immer wieder auch die Musik eine wichtige Rolle.

Foto einer alten MarschtrommelFür Der Poesieminister greift Oliver Geister das Thema aus der „Romanze“ von Prokofjiew (1891-1953) auf. Die „Romanze“ stammt aus der Suite „Leutnant Kishe“ (auch „Kije“). Das Thema wurde 1985 auch von Sting verwendet. Durch Stings „Russians“ bekam die Melodie eine neue Bedeutungsebene und kann heute auch als Friedensmelodie verstanden werden. Genau so wird sie in diesem Hörspiel verwendet. In Der General wurde eine Marschtrommel verwendet, die aus Beständen der Hitlerjugend stammt (Prägejahr 1942) und im Hörspiel dem Frieden den Takt geben soll.

Hintergrund: Warum Friedensmärchen?

In dem Film Der Himmel über Berlin gibt es die Figur des Homer, der sich in der Gegenwart des Jahres 1987 in der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz in Berlin aufhält und sich Gedanken macht. Eines der ihm von Autor Peter Handke in den Mund gelegten Zitate bewegt mich, seit ich den Film das erste Mal gesehen habe.

„Was ist denn am Frieden, dass er nicht auf die Dauer begeistert und dass
sich von ihm kaum erzählen lässt?“

Eine profane Assoziation zu diesem Zitat ist, dass Christopher McKee  in seinem Buch Story. Die Prinzipien des Drehbuchschreibens. betont, das oberste Prinzip des Erzählens sei der Konflikt. Konflikte machen eine Geschichte interessant. Das ist natürlich keine erschöpfende Antwort in Bezug auf die Frage, gibt aber möglicherweise einen Hinweis: Ist Frieden als Erzählstoff nicht interessant genug, um zu unterhalten?

Viel sinnvoller als das Beantworten der zitierten Frage finde ich ohnehin, sie so stehenzulassen. Im besten Falle inspiriert sie. Sie kann einladen über den großen Frieden nachzudenken, also über die Abwesenheit von Krieg und dem, was verharmlosend als „bewaffneter Konflikt“ bezeichnet wird. Sie kann aber auch zu Gedanken über den privaten Frieden führen, über Friedfertigkeit als Eigenschaft und als Wert in persönlichen Begegnungen.

Fazit: Weil Frieden im klassischen Erzählen oft schwer greifbar bleibt, können Friedensmärchen dazu einladen, Frieden und Friedfertigkeit als Haltung und Wert bewusst wahrzunehmen.

Nachtrag: Grausamkeit in Märchen

In Bezug auf Märchen gibt es die Zuschreibung der Grausamkeit, die immer wieder zu märchenpädagogischen Debatten führt. Sollte man Kinder vor Märchen schützen, weil die Grausamkeiten sie traumatisieren? Oder sind die Grausamkeiten gerade gut, weil sie dem Kind helfen innere Konflikte zu lösen und zu reifen? Klar ist: Die Zuschreibung der Graumkeit passt auf viele Volksmärchen, ist aber als pauschales Urteil nicht haltbar. (Zum Thema „Märchen und Grausamkeit“ empfehle ich den Aufsatz Achtung böse! von Dr. Oliver Geister. PDF öffnet sich im neuen Fenster.) 

Übersicht der Märchen-Kategorien