Vom Gießer zum Knopfmacher –
über die Entstehung eines Märchens

Manche Märchen schreibe ich wie aus einem Guss. Sie werden kaum verändert und erscheinen im Podcast nahe an ihrer ursprünglichen Form, selbst wenn sie schon zehn oder zwanzig Jahre alt sind. Andere Märchen überarbeite ich, manchmal sogar sehr gründlich. Heute gebe ich einen Einblick in eine solche Überarbeitung.

Das Knopflochmärchen (2012)

Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Ästhetik von Alltagsmaterial und sammle Teelöffel, Würfel und Knöpfe. 2012 hatte ich eine pädagogische Idee. Ich wollte ein Märchen schreiben, in dem Material mit Menge verknüpft ist. So ist das Knopflochmärchen entstanden, in dem der König einen großen Bedarf an Knöpfen hat, was natürlich auch rechnerisch ermittelt werden muss.

Das Knopfmärchen (2024)

Zwölf Jahre später habe ich das Märchen für den Podcast überarbeitet. Struktur und Dialoge blieben. Der Text des Erzählers wurde etwas verändert, Geräusche und Musik angepasst. Das Märchen war dann irgendwann fertig – und ich war nicht zufrieden. Die Perspektive war aus meiner Sicht nicht optimal gewählt. Das Märchen beginnt mit dem König, und es endet auch mit dem König. Das setzt den Rahmen für den Knopfgießer, der seine Arbeit macht. Zwar fand ich einige der Szenen ganz gut, aber ich konnte mich nicht entschließen, diese Version im Podcast zu veröffentlichen. Aber ich tue es heute, auch um die Sprecher:innen zu würdigen: Hier kommt also die unveröffentlichte alte Version des Knopfmärchens (2024).

Mit Tilman Rademacher (König), Björn Kiefer (Knopfgießer), Tabea Peitz (Königin & Hexe), Stephan Voß (Räuber) und Anna Labonté (Fee).

Der Knopfmacher (2025)

Also habe ich mir den Stoff noch einmal gründlich vorgenommen und eine Entscheidung getroffen: Ich wollte eine klare Hauptfigur haben, die von Anfang bis Ende durch das Märchen begleitet wird. Das sollte ein echter Knopfmacher sein, kein Schmuckgießer, der dem Bedarf des Königs hinterherläuft. Und so habe ich nicht nur die Hauptfigur ausgestaltet, sondern auch versucht, den Nebenfiguren Räuber und Hexe mehr Farbe zu geben. Die beiden haben dann sogar noch einen Gast-Auftritt in einem weiteren Märchen: „Der Hofmagier“.

In der neuen Version des Märchens sprechen Stefan Nászay (Knopfmacher), Björn Kiefer (König), Christoph Tiemann (Räuber), Sabine Klecker (Hexe), Ines Bollmeyer (Fee) und Janet Sperber (Königin). In „Der Hofmagier“ sind Tabea Peitz (Prinzessin), Stephan Voß (Hofmagier), Christoph Tiemann (Räuber), Sabine Klecker (Hexe) und Angela Tiemann (Kobold) zu hören.

Märchen verändern sich. Manchmal leise, manchmal grundlegend. Dieses hier hat mich über viele Jahre begleitet. Vielleicht ist es gut, dass es beide Fassungen gibt.